„Da kommt der liebe Gott zu Besuch!“

Kinder- und Jugendpastoral als ein wichtiger Ort der heutigen Verkündigung

Von Michael Brüderl

Wenn auch theologisch die Aussage aus der Überschrift natürlich nicht direkt stimmt, so drückt sie doch sehr gut aus, wie wertvoll die Arbeit, besser der Dienst, eines Priesters ist. Die Aussage stammt von einem Kindergartenkind, das sie zu einem anderen Kind gesagt hat, als der Pfarrer wieder einmal im Kindergarten zu Besuch war und den Raum betrat, in dem sich die Kinder dazu versammelt hatten. Freilich ist der Priester nicht der „liebe Gott“ und auch nicht Christus selbst. Aber die Kinder haben offenbar erkannt, dass er irgendwie besonders für Christus lebt und erlebt, dass er in dessen Namen spricht.

Gerade in einer Zeit, in der der Glaube und der Bezug zur Kirche immer weniger werden, scheint es mir wichtig, dass die „Boten Gottes“ die Kinder und Jugendlichen in Kindergarten und Schule besuchen bzw. unterrichten. Das Glaubensleben in den Elternhäusern ist zwar in manchen Familien nach wie vor so, wie man es sich wünscht, aber leider wird die Zahl dieser Familien immer geringer. Man trifft dann immer wieder auf Kinder in der Grundschule, die noch nicht einmal richtig das Kreuzzeichen können, von den Grundgebeten noch gar nicht zu sprechen. Katechetische Einheiten im (Pfarr-)Kindergarten und der Religionsunterricht, der bewusst mit einem Gebet beginnt, können den Kindern heute somit eine große Unterstützung sein, überhaupt in den Brauch des Betens eingeführt zu werden. Ein altes scholastisches Axiom sagt ja bekanntlich „nihil volitum nisi praecognitum“ – und das gilt für die Vertrautheit des „Sprechens mit Gott“, also das Gebet, eben auch.

Ich persönlich erlebe bei den Kindern auch ein großes Interesse an Gott bzw. Jesus und dem, was er getan hat. Selten erlebe ich in einem Klassenzimmer oder im Gruppenraum des Kindergartens so viel aufmerksame Stille, als wenn ich eben eine Perikope aus dem Neuen Testament erzähle. Vielleicht mag auch manches Talent beim Vortag dazuhelfen, aber sicherlich ist es nicht zuletzt die Gegenwart Gottes, wenn sein Wort verkündet wird, die die Kinder innerlich so sehr anspricht. Solche Erfahrungen und das Kennenlernen Jesu und seines Lebens sind unersetzlich, wenn sie später ihren Lebensweg mit Gott gehen wollen.

Die katechetischen Einheiten im Kindergarten bzw. die Religionsstunden der Pfarrer und weiteren Priester sind also einerseits ein wichtiger Beitrag, dass unsere Kinder und Jugendlichen ein Fundament erhalten, auf dem sie später einmal ihren Glauben tiefer entdecken können. Andererseits sind sie überhaupt eine Einladung, von Gott zu hören und grundlegende Bräuche des christlichen Lebens kennenzulernen. Natürlich ist es möglich und wünschenswert, dass viele verschiedene Menschen unseren Kindern von Gott und vom christlichen Glauben erzählen – ohne das wird es niemals gehen. Und besonders die Eltern und Großeltern sind erste „Glaubensboten“ für die Kinder – oder sollten es zumindest sein. Auch jede Mithilfe und Unterstützung durch Katecheten und Kindergärtnerinnen ist ein absolut wichtiger Beitrag. Aber darüber hinaus ist die Verkündigung durch den Priester nochmals von einer besonderen Qualität, die ihm durch die Weihe und das geistliche Amt zukommt.

Es ist bekannt, dass die Pfarrer immer mehr Verantwortung und Aufgaben in der Pfarrverwaltung erhalten und die Pfarrverbände immer größer werden. Bei allen Konsequenzen, die damit zusammenhängen, halte ich es trotzdem für eine der wichtigsten Aufgaben, die Kinder zu kleinen Glaubenseinheiten im Kindergarten und zu wenigstens ein paar Religionsstunden in der Schule immer wieder zu besuchen. Es scheint mir zu keiner Zeit vergeblich, unseren jungen Menschen diese Zeit zu schenken – und eine bessere Investition in die Zukunft unserer Pfarreien als möglichst hohe Anlagen von Wertpapieren, ertragreiche Vermietungen von Pfarrheimen usw. Denn: Es soll ja weiterhin „der liebe Gott zu Besuch“ kommen bei unseren jungen Menschen: Durch das Wort Gottes und durch das Gebet.


Michael Brüderl begann nach dem Abitur sein Theologiestudium 2006 an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und lernte in den Vorlesungen Andreas Wollbold kennen. Gegen Ende seines Studiums arbeitete er am Lehrstuhl für Pastoraltheologie als wissenschaftliche Hilfskraft mit, u.a. bei der Übersetzung des Werkes von Joseph Guibert Documenta ecclesiastica christianae perfectionis studium spectantia. Mittlerweile ist er Pfarrer von Tacherting.

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